ERETZ AUSTRIA - ins gelobte Land

Guten Tag .. äh, Grüß Gott, liebe Tutti-Fruttis

Heute führe ich euch nach Krimml, Pinzgau! Was/wo ist Krimml, bitteschön? Ja, das habe ich mir vor ca. 3 Monaten auch gedacht, als ich eine Casting-Ausschreibung für die Wiederaufnahme einer Produktion des Teatro Caprile, (Regie, Drehbuch: Andreas Kosek), bekommen habe. Nachdem zwei Schauspielerinnen wegen anderen Engagements absagen mussten, suchte das Team nach Ersatz und findet es nach einem langen Castingtag bei meiner Kollegin Astrid und mir. Freude!
Zuerst dachte ich – woah super, ein weiteres Engagement, ich darf spielen, nettes Stück, ich verdiene Kohle, cool!

Wir schreiben das Jahr 1947, Österreich kurz nach dem 2. Weltkrieg. Die wenigen Juden, die die Massenermordungen überlebt hatten, wollen zurück in deren Heimat. Aber – wo ist diese? Teilweise wurden die sogenannten displaced persons immer noch mitten auf der Straße erschlagen, oder aus dem ursprünglichen Wohnort vertrieben. Heimatlos. Waise. Alleine.
Unter anderem wurden sie in Saalfelden aufgenommen und versorgt – aber das ging nicht auf ewig! Sie wollten eine neue Heimat, ein Land in dem sie wieder frei leben, zur Schule gehen und arbeiten könnten. Ein Land der Hoffnung – Palästina – Eretz Israel!
Viktor Knopf (* 1922, 
 1998) und Marko Feingold (*1913, mittlerweile 104 Jahre alt), beide gehörten zur Bricha – der Fluchthilfeorganisation in Europa, fanden eine Route über die Krimmler Tauern nach Italien, die man nur zu Fuß überqueren konnte. 

Hier fängt unser Stück an! 

Das Spiel beginnt im Tal, wo wir – Schauspieler und Publikum – Flüchtlinge darstellen, die soeben erfahren, dass es diese neue Route über die Alpen gibt. Ohne zu Überlegen packt jeder seine Sachen und macht sich auf den Weg. Doch der Weg ist alles andere als leicht.
600 Höhenmeter, den steilen Wasserfallweg entlang, bei jedem Wetter, in jeglichen 
Schuhen und Klamotten. Schaffen wir es? Niemand kann es voraus sagen. Hunger, Durst, Müdigkeit, Erschöpfung. Das Publikum sieht uns zu wie wir einander die Hände geben und hebräische Friedenslieder singen, um einander Kraft zum Weitermachen geben. 
„Schritt für Schritt, nicht hinunter schauen! Haltet euch an den Felsen.“



Oben angekommen spielen wir weiter, wie uns Liesl Geisler(* 1905, † 1985
; Wirtin des Krimmler Tauernhauses) – gespielt von Katharina Grabher - illegale Unterkunft gibt und mit dem Notwendigsten versorgt.


Ständig die Gefahr aufzufliegen, zu verhungern oder die Nerven zu verlieren. Dein Körper ist auf Notstand, das einzige, was dich vom Durchdrehen abhält ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine neue Heimat.
"Du bringst uns in Gefahr!!!"



Jede Figur mit einem anderen Background, einem anderen Schicksal und einem anderen Funken an Hoffnung diesen Marsch zu bezwingen. Im Laufe des Spieles kommen diese ans Tageslicht und wir reden über unsere Vergangenheit, wir öffnen uns und sprechen aus, was wir bisher noch nie ausgesprochen haben.


„..dann haben die Deportationen begonnen und jemand hat mich denunziert. Sie haben mich nach Auschwitz gebracht. Niemals werde ich diesen Gestank dort vergessen!“

Das Spiel endet nach cirka fünf Stunden am höchsten Punkt unseres Weges – der Windbachalm. Der Originalweg, den die Juden damals weiter gingen bis zur Grenze Italiens. Das Publikum sieht uns zu, wie wir singend weiter wandern.


Entgegen kommen uns drei Schwarzafrikaner. Die Vergangenheit und Gegenwart streifen aneinander vorbei. Die einen wollen aus Europa
 raus, die anderen nach Europa. Ein Trommeln, ein Gedicht, Lieder der Schwarzafrikaner – Asylwerber – damit das Publikum mit einem doch positiven Gefühl Nachhause geht.



Nach dem Applaus holen wir uns Feedback. Im Publikum sind auch Juden, die einen vielleicht auch familiären Bezug zu dieser Route haben.
Dernière, die letzte Vorstellung findet statt. Es schüttet, wir sind komplett nass und die Erschöpfung gewinnt an Realismus.
Ende der Vorstellung, Applaus, wässrige Augen. Ich werde immer noch ganz sentimental, wenn ich an die ganzen lächelnden Gesichter denke. Liebe!
Auf dem Weg zurück gratuliert mir eine Dame zu meiner schauspielerischen Leistung. Sie hat immer noch wässrige Augen. In einem gebrochenem Englisch sagt sie dann:
„My mother carried me in her stomach when she walked this route to Israel. With success! Few weeks later I was born there. Thank you for telling my mother’s story to the world!”
Wasserfall, diesmal in meinem Gesicht. Ich spielte nämlich genau diese Rolle! Eine schwangere Frau, die hofft  ihr Kind in einem freien Land gebären zu können.
Wow, jetzt sitze ich hier, schreibe euch diesen Blogeintrag und muss sehr tapfer sein um nicht wieder zu heulen.
Wir umarmten uns und ich weiß noch wie ich sagte: „Well, your mom did a brave and great job! Look what a wonderful daughter she has now. All the pain paid off!”

Schauspielerin - Botschafterin
Das war’s! Mein Trip ist vorbei und die Impressionen sind tief in meinem Herzen verankert. Ich fühle mich wie neu geboren, als ob mein Ziel und Sinn des Lebens klarer als je zuvor sind. Ich weiß nun, dass ich nicht Schauspielerin sein möchte, um nur Geschichten zu erzählen, sondern Geschichte zu lehren. Botschaften zu überreichen und Liebe zu schenken, zu vermitteln, verändern, beeinflussen, darauf zeigen, nie wegschauen, erzählen. Mein Schauspieldasein hat eine neue Ebene dazu gewonnen.
Yes, I am a Kiwi on a mission to make the world a better place!




APC & Krimmler Friedensdialog



Kiwi: Ich bin ja so froh, dass Sie unser Bundespräsident sind!
Van der Bellen (lacht): Ich auch, war aber knapp.
Kiwi: Oh ja, zwei mal sogar! 



Teatro Caprile (wobei Hans und Celine fehlen) mit dem Herrn Bundespräsidenten, Alexander Van der Bellen

Abschlusswort
Krimml ist ein wundervoller Ort, wo man die Seele baumeln lassen kann. Ich danke den Ziegenkönigen - Andreas, Katharina und Heide - dass ich bei diesem grandiosen Stück mitspielen durfte. Ein DANKE auch an Ralph, Astrid, Hans und Celine für die tolle Zusammenarbeit!

Diese Kiwi geht jetzt mal auf Urlaub!


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#kiwilove

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